Team von der Gemüseinsel setzt auf Eigengewächse

Für Hartmut Nessit und seine SG Reichenau/Reichenau-Waldsiedlung läuft es derzeit gut in der Fußball-Bezirksliga

Hartmut Nessit kann zufrieden sein mit seiner SG Reichenau/Reichenau-Waldsiedlung.

Fußball, Bezirksliga: In Zeiten, in denen sich der Profifußball durch astronomische Ablösesummen immer mehr von seiner Basis entfernt, schreibt der Amateursport die schönsten Geschichten. Eine davon handelt von der SG Reichenau/Reichenau-Waldsiedlung und ihrem Überlebenskampf in der Bezirksliga Bodensee.

„Es ist schon ein kleines Fußballmärchen, das wir hier leben“, findet Trainer Hartmut Nessit. Er hebt die Besonderheiten des Reichenauer Modells hervor. „Mehr als 90 Prozent der Truppe bestehen bei uns aus Eigengewächsen von der Insel, das ist heutzutage ungewöhnlich“, sagt Nessit. „Zudem spielen alle, ohne einen einzigen Euro zu verdienen. Es geht den Jungs nur um den Spaß am Fußball, auch das gibt es nicht mehr überall.“ Auch der Spielstil der Inselkicker unterscheidet sich von so manch anderem Bezirksligisten. „Wir leben natürlich von der Kämpfermentalität und der mannschaftlichen Geschlossenheit“, weiß der Reichenauer Trainer. „Denn wir haben nicht die hochtalentierten Einzelspieler, sondern ziehen unsere Stärke aus der Gesamtleistung als Team.“

Das Licht seiner Spieler will Nessit trotzdem nicht unter den Scheffel gestellt wissen. „Wir haben auf jeden Fall gute Spieler“, betont er. „Und wenn sie auf dem Platz sind, geben sie absolut alles für den Erfolg.“ Sichtbar wurde dieser Geist auch am vergangenen Wochenende, als die Reichenauer das Derby beim Türkischen SV Konstanz durch David Blums Goldenes Tor in der 91. Minute entschieden.

Nessit will den 3:2-Erfolg beim Rivalen allerdings nicht zu hoch hängen. „Letztes Mal haben wir in der 90. Minute verloren, nun eben in der 90. Minute gewonnen“, meint er lapidar und gesteht: „Wir haben einfach auch ein bisschen Glück gehabt. In der zweiten Hälfte haben wir nicht gut gespielt, aber der TSV wollte eventuell zu viel und ist in einen späten Konter gelaufen.“

Ungeachtet dessen glaubt er, dass die Punkte noch sehr wichtig werden können. „Es war auch das Glück des Tüchtigen in einem Sechs-Punkte-Spiel“, findet er. „Wir haben jetzt die Hälfte der Punkte eingefahren, die wir wohl brauchen werden, um nicht abzusteigen. Da kann man sehr zufrieden sein.“ Nessit hofft, dass einer der Spieler die Mannschaft erfolgreich durch die Saison führen kann. „Wir brauchen jetzt einen Leader auf dem Platz“, fordert er. Kandidaten hat er schon im Blick. „Ich erwarte immer viel von David Blum, will aber auch, dass der Druck auf ihn nicht zu hoch ist“, so Nessit. „Aber auch Nikolas Weltin oder Torwart-Routinier Alexander Wolkow können das Team führen.“

Für Nachschub für das Reichenauer Modell ist derzeit ebenfalls gesorgt. „Auch im nächsten Jahr werden uns einige Spieler aus der A-Jugend unterstützen“, verrät Nessit. „Mir macht das ganze Projekt großen Spaß, ich will gar nirgends anders mehr hin.“

 

Quelle: Südkurier online: https://www.suedkurier.de/sport/regionalsport/regionalsport-bodenseewest/Team-von-der-Gemueseinsel-setzt-auf-Eigengewaechse;art2783,9504509 abgerufen am 21.11.2017

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