Der Kunstrasen ist fertig

Die Sportler der Waldsiedlung Reichenau müssen im Winter nichtmehr umziehen

Der Kunstrasen beim Zentrum für Psychatrie Reichenau ist offiziell in Betrieb, die Gemeinde und die Klinik teilen sich die Kosten. In bestimmten Zeiträumen muss das Flutlicht wegen Fledermäusen allerdings früher am Abend abgeschaltet werden.

Der Kunstrasenplatz im Zentrum für Psychiatrie wurde nun offiziell in Betrieb genommen. Zufrieden mit dem gemeinsamen Projekt sind (von links) Bürgermeister Wolfgang Zoll, die Vorsitzende des SV Reichenau Bianca Wurz, ZfP-Geschäftsführer Dieter Grupp, der Vorsitzende des FSV Waldsiedlung Hans-Jürgen Penkert und Bauleiter Jochen Wilfert. | Bild: Thomas Zoch

Licht an, Fußballer marsch. Mit dem Einschalten der Flutlichtanlage wurde der neue Kunstrasenplatz auf dem Gelände des Zentrums für Psychiatrie (ZfP) Reichenau offiziell in Betrieb genommen – dort, wo früher eine holprige Wiese den Fußballern aus der Waldsiedlung und dem Lindenbühl als Ententeicharena diente. Und die F-Jugend durfte als erste an diesem von den Strahlern aufgehellten trüben Nachmittag auf dem neuen Platz kicken.

Fledermäuse schränken den Betrieb ein

Für die Fußballer des FSV Waldsiedlung und des Sportvereins auf der Insel Reichenau (SVR) beginnt damit sozusagen ein neues Zeitalter. Sie können endlich bei jedem Wetter und auch im Winter auf ihrer eigenen Anlage trainieren und spielen und müssen nicht mehr als Gäste zu anderen Vereinen fahren. Die kleine Einschränkung, dass an einigen Wochen im März, September und Oktober das Flutlicht wegen Fledermäusen, die es dort gibt, früher abgeschaltet werden muss, nehme man gern in Kauf, so der FSV-Vorsitzende Hans-Jürgen Penkert und die SVR-Vorsitzende Bianca Wurz. Im Normalfall sei ohnehin spätestens um 21 Uhr Trainingsende, so Penkert.

Und eine deutliche Einschränkung gebe es nur von Mitte Oktober bis zur Umstellung auf die Winterzeit, wo um 19 Uhr Schluss sein müsse, also an zehn bis 14 Tagen im Jahr. "Die zwei Wochen kriegen wir hin", meinte Penkert. Und Wurz erklärte: "Im Vergleich zu dem, was man gewinnt, ist es eine kleine Einschränkung." Zehn Teams beziehungsweise Spielgemeinschaften (SG) aus den beiden Clubs können den Platz nutzen – ebenso wie Patienten und Mitarbeiter des ZfP. "Wir freuen uns riesig. Das ist eine tolle Anlage", sagte der FSV-Vorsitzende. Und wie er dankte auch Wurz der Gemeinde und dem ZfP, die dies ermöglicht haben – wenn auch nach langer Wartezeit. Von diesem Thema habe sie im Vorstand vor zehn Jahren zum ersten Mal gehört, so Wurz.

Die lange Suche nach einem geeigneten Platz

Auch Bürgermeister Wolfgang Zoll ging auf die lange Vorgeschichte ein. Der eine begrenzende Faktor für die Gemeinde sei schlicht die Finanzierung gewesen, der andere die Standortfrage. "Wir waren auf der Insel und auf dem Festland auf der Suche." Den Platz am Baurenhorn auf der Reichenau umzuwandeln, sei nicht gegangen, weil das als Überschwemmungsgebiet bei Hochwasser gelte. Der Platz in der Sandseele liege im Landschaftsschutzgebiet, dort wäre gar kein Flutlicht möglich gewesen. Zeitweise war ein Sportplatz westlich des ZfPs im Gespräch, doch dies wollte die Klinik dann als mögliche Entwicklungsfläche nicht opfern, erklärte Geschäftsführer Dieter Grupp.

So kam man schließlich auf die Ententeicharena als geeigneten Standort. Und weil das ZfP den Platz selbst nutzt tagsüber unter der Woche, teilte man sich die Kosten. Diese lagen bei 820.000 Euro, so Zoll. 80.000 gab es als Sportförderung vom Land, sodass die Gemeinde und das ZfP schließlich jeder 370.000 Euro zahlten. "Es ist ein wichtiges Projekt, was jetzt zum Abschluss kommt", so der Bürgermeister. "Dieser Platz verbindet." Zum einen die Insel mit dem Festland, zum anderen die Gemeinde mit dem ZfP. Letzteres sei sozusagen der sechste Ortsteil, meinte Zoll.

Wettbewerbsspiel für Kinder und Erwachsene sind möglich

Bauleiter Jochen Wilfert erklärte, der Platz sei mit den Maßen 92 mal 60 Meter für alle Wettbewerbsspiele tauglich. Zusätzlich eingezeichnet seien blau ein Kompaktspielfeld mit 70 mal 55 Metern und gelb zwei Jugendspielfelder mit 55 mal 35 Metern. Somit könnten hier alle Altersgruppen spielen, ohne erst Begrenzungen und Hütchen aufzustellen. Begleitet gebaut habe man Ballfangzäune, Stehstufen für Besucher, 1200 Meter Drainageleitung und eine Flutlichtanlage mit 16.000 Watt. "Das ist einiges an Beleuchtung", meinte Wilfert. Und deshalb müssen die Strahler generell spätestens um 22 Uhr aus sein – nicht nur wegen der Fledermäuse, sondern auch wegen der Patienten.

Die Sache mit den Fledermäusen

In der Nähe des Zentrums für Psychiatrie Reichenau (ZfP) gibt es eine Fledermauspopulation. Diese Tiere seien nach dem Naturschutzgesetz streng geschützt, so das Landratsamt (LRA) auf Nachfrage. Deshalb sei für den Bauantrag für einen Kunstrasenplatz, den die Gemeinde Reichenau eingereicht hatte, ein Fledermausexperte hinzugezogen worden. Demnach sei der Teich neben dem Kunstrasen als Jagdgebiet für die Fledermäuse bedeutsam.

Zudem sei klar geworden, dass es im unmittelbaren Umfeld Balz- und Winterquartiere der Tiere gebe. Da dies durch die Flutlichtanlage mit einer Höhe von 17 Metern beeinträchtigt werde könnte, sei in Absprache mit den Sportvereinen ein Beleuchtungskonzept erarbeitet worden, damit der Bau des Kunstrasens überhaupt genehmigungsfähig war, so das LRA. Sensible Zeiten für die Fledermäuse seien im März sowie von Mitte September bis Ende Oktober. Deshalb müsse das Flutlicht, das sonst bis 22 Uhr brennen darf, in der zweiten März- und der ersten Oktoberhälfte um 20 Uhr abgeschaltet werden, in der zweiten Septemberhälfte um 21 Uhr und vom 16. Oktober bis zur Umstellung auf Winterzeit um 19 Uhr.

Quelle: Südkurier online: https://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/reichenau/Der-Kunstrasen-ist-fertig-Die-Sportler-der-Waldsiedlung-Reichenau-muessen-im-Winter-nicht-mehr-umziehen;art372456,9505763 abgerufen am 21.11.2017

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